Der Code auf dem Ei: Eierqualität, Haltungsformen & Bio-Siegel
Jedes Ei trägt einen kleinen Aufdruck, den Erzeugercode. Er sieht kryptisch aus, verrät aber genau, wie die Henne gelebt hat und woher das Ei stammt. Dieser Ratgeber liest den Stempel Zeichen für Zeichen und erklärt anschließend, was hinter Bio, Freiland, den Bio-Siegeln und „ohne Kükentöten“ steckt, belegt mit Quellen.
Aktualisiert am 22. Juli 2026 · Lesezeit ca. 9 Minuten
So sieht der Erzeugercode auf einem Ei aus. Hier ein Bio-Ei aus Niedersachsen.
Seit dem 1. Januar 2004 muss in der gesamten EU jedes frische Ei diesen Stempel tragen. Aufgedruckt wird er mit lebensmittelechter Tinte, meist in Rot oder Blau; der gleiche Code steht zusätzlich auf der Verpackung. Zusammen mit den freiwilligen Bio- und Tierwohl-Siegeln ergibt sich daraus ein erstaunlich klares Bild von der Qualität dahinter.
Aufbau des Codes
0
Haltungsform0 = Bio, 1 = Freiland, 2 = Bodenhaltung, 3 = Käfig-/Kleingruppenhaltung. Diese eine Ziffer sagt am meisten über das Tierwohl aus.
DE
LändercodeDas Herkunftsland, in dem das Ei gelegt wurde, z. B. DE für Deutschland, NL für die Niederlande, AT für Österreich.
03
BundeslandNur in deutschen Codes: die ersten beiden Ziffern nach DE stehen für das Bundesland (03 = Niedersachsen).
5735
BetriebDie eindeutige Nummer des Legehennen-Betriebs.
3
StallDie letzte Ziffer verweist auf den einzelnen Stall innerhalb des Betriebs.
Selbst nachschauen: Über das Portal was-steht-auf-dem-ei.de des KAT-Vereins können Sie jeden deutschen Code eingeben und sehen, von welchem Hof das Ei stammt.
Die Bundesland-Ziffern (Deutschland)
Die beiden Ziffern direkt nach DE verraten, aus welchem Bundesland das Ei kommt:
01 Schleswig-Holstein
02 Hamburg
03 Niedersachsen
04 Bremen
05 Nordrhein-Westfalen
06 Hessen
07 Rheinland-Pfalz
08 Baden-Württemberg
09 Bayern
10 Saarland
11 Berlin
12 Brandenburg
13 Mecklenburg-Vorpommern
14 Sachsen
15 Sachsen-Anhalt
16 Thüringen
Die vier Haltungsformen im Detail
Die wichtigste Ziffer ist die erste. Die Vorgaben dahinter stammen aus der deutschen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung, dem EU-Marktordnungsrecht und, für Bio, der EU-Öko-Verordnung. Von oben nach unten steigt in der Regel das Tierwohl.
0 Bio / ökologisch
Der höchste gesetzliche Standard. Neben viel Auslauf gelten strenge Regeln für Futter, Herdengröße und Platz.
max. 6 Hennen pro m² Stallfläche
mind. 4 m² Auslauf pro Henne
ökologisches Futter, ohne Gentechnik
max. 3.000 Tiere je Stallabteil
Schnabelkürzen verboten
1 Freilandhaltung
Wie die Bodenhaltung im Stall, aber die Hennen können tagsüber ins Freie.
max. 9 Hennen pro m² Stallfläche
mind. 4 m² Auslauf pro Henne
Sitzstangen, Nester, Scharrfläche
konventionelles Futter erlaubt
2 Bodenhaltung
Der häufigste Standard in Deutschland. Leben im Stall, ohne Auslauf ins Freie.
max. 9 Hennen pro m² nutzbarer Fläche
kein Auslauf ins Freie
mind. ⅓ der Fläche als Scharrraum
Sitzstangen und Nester vorhanden
3 Käfig / Kleingruppe
Die klassische Käfigbatterie ist verboten; die Kleingruppenhaltung läuft aus.
nur rund 800 cm² pro Henne
kaum mehr Platz als ein DIN-A4-Blatt
Batterie in DE verboten seit 2010
Kleingruppe: Übergangsfrist bis Ende 2025
Die klassische Legebatterie ist in Deutschland seit 2010 verboten, EU-weit seit 2012. Die etwas größere „Kleingruppenhaltung“ in ausgestalteten Käfigen darf seit 2016 nicht mehr neu eingerichtet werden; für die letzten Altbetriebe endete die Übergangsfrist Ende 2025. Ihr Marktanteil ist entsprechend klein: 2025 stammten in Deutschland rund 58 % der Eier aus Bodenhaltung und nur noch etwa 3 % aus Käfig- oder Kleingruppenhaltung.
Achtung bei verarbeiteten Produkten: In Nudeln, Backwaren, Mayonnaise oder Fertiggerichten stecken oft Eier ohne Haltungskennzeichnung, teils aus Käfighaltung im Ausland. Die Pflicht zur Kennzeichnung gilt nur für frische Schaleneier.
Haltungsformen im Vergleich
Die wichtigsten Vorgaben auf einen Blick (Richtwerte nach Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung und EU-Öko-Verordnung):
Vergleich der vier Haltungsformen nach Platz, Auslauf und Futter
Merkmal
Bio (0)
Freiland (1)
Boden (2)
Käfig (3)
Platz im Stall
max. 6 Hennen/m²
max. 9 Hennen/m²
max. 9 Hennen/m²
~800 cm²/Henne
Auslauf ins Freie
≥ 4 m²/Henne
≥ 4 m²/Henne
keiner
keiner
Futter
bio, ohne Gentechnik
konventionell
konventionell
konventionell
Herdengröße
klein, begrenzt
groß möglich
groß möglich
Kleingruppe
In DE erlaubt
ja
ja
ja
läuft aus
Bio ist nicht gleich Bio
Die Haltungsziffer 0 bedeutet nur, dass die Mindestanforderungen der EU-Öko-Verordnung erfüllt sind, erkennbar am grünen EU-Bio-Logo (das Blatt aus Sternen). Die deutschen Anbauverbände gehen zum Teil deutlich darüber hinaus. Wer Wert auf strengere Standards legt, achtet zusätzlich auf deren Siegel:
Vergleich der Bio-Siegel nach Besatzdichte und Herdengröße
Siegel
Hennen je m² Stall
Hennen je Hektar
max. Herde je Stall
EU-Bio
6
230
3.000 je Abteil
Naturland
6
140
12.000
Bioland
6
140
6.000
Demeter
4,4
140
3.000
Fazit: Demeter hat mit der geringsten Besatzdichte und den kleinsten Herden die strengsten Vorgaben, gefolgt von Bioland und Naturland. Alle drei Verbände verlangen zudem, dass der gesamte Betrieb ökologisch wirtschaftet (keine Teilumstellung), und lassen deutlich weniger Zusatzstoffe zu als die EU-Öko-Verordnung. Das EU-Bio-Logo bleibt der gesetzliche Mindeststandard. Schon damit sind aber viel Auslauf, Bio-Futter und kleinere Herden garantiert.
Fütterung, Antibiotika & Hygiene
Was eine Henne fressen darf und welche Medikamente erlaubt sind, hängt von Haltungsform und Siegel ab. Grob gilt: Je höher der Standard, desto strenger die Regeln. Über das Futter entscheidet die Haltungsziffer. Bei Bio (0) gelten die Öko-Regeln, konventionelle Boden- und Freilandhennen (2 und 1) dürfen dasselbe Futter bekommen.
Das Futter
Futtervorgaben nach Haltungsform und Siegel
Merkmal
Konventionell (1 & 2)
Bio (0)
Bio-Verband
Futterherkunft
konventionell, oft importiert
100 % bio, ≥ 30 % regional
100 % bio, hoher Hofanteil
Gentechnik (GVO)
erlaubt
verboten
verboten
Synthet. Aminosäuren
erlaubt
verboten
verboten
Farbstoffe fürs Eigelb
erlaubt
nur natürlich
nur natürlich
Raufutter (Grünfutter)
keine Pflicht
täglich
täglich
Grundlage ist überall ein Getreide-Eiweiß-Futter (Weizen, Mais, dazu Eiweißträger wie Soja oder Raps) plus Mineralstoffe und Kalk für die Schale. Bei konventionellem Futter (Boden und Freiland) sind gentechnisch verändertes Soja, synthetische Aminosäuren und Farbstoffe fürs Eigelb erlaubt; Freilandhennen picken zusätzlich draußen. Bei Bio muss das Futter zu 100 % ökologisch und gentechnikfrei sein, mindestens 30 % davon vom eigenen Hof oder aus der Region, dazu täglich Raufutter. Eine befristete Ausnahme erlaubt bis Ende 2026 noch kleine Mengen (bis 5 %) nicht-ökologisches Eiweißfutter. Die Anbauverbände (Bioland, Naturland, Demeter) gehen weiter; Demeter verlangt sogar Futter in Demeter-Qualität.
Dotterfarbe ist kein Qualitätsmerkmal. Wie gelb oder orange das Eigelb ist, hängt allein vom Futter ab. Im konventionellen Bereich wird die Farbe oft über zugesetzte Farbpigmente gesteuert, bei Bio entsteht sie nur aus natürlichen Bestandteilen wie Mais und Grünfutter.
Antibiotika & Medikamente
Antibiotika als Leistungsförderer sind in der gesamten EU seit 2006 verboten, eine vorbeugende Gabe ist unzulässig. Erkrankte Tiere dürfen tierärztlich mit Antibiotika behandelt werden, doch während der Behandlung und einer anschließenden Wartezeit dürfen ihre Eier nicht als Lebensmittel verkauft werden. Im Bio-Bereich ist die Zahl der Behandlungen begrenzt, die Wartezeit verdoppelt sich, und natürliche Mittel haben Vorrang. Tiermehl ist in der EU seit der BSE-Krise ohnehin verboten, das Futter ist praktisch rein pflanzlich.
Chlor & Eierwäsche
In der EU dürfen frische Eier der Güteklasse A weder gewaschen noch anderweitig gereinigt werden. Das schützt die natürliche Schutzschicht der Schale (Kutikula), die Keime abhält. Ein Chlorbad wie in den USA, wo Eier gewaschen und deshalb gekühlt werden müssen, gibt es hier nicht. Auch das „Chlorhühnchen“, also mit Chlor desinfiziertes Geflügelfleisch, ist in der EU seit 1997 verboten. Der europäische Ansatz lautet: sauber produzieren, statt am Ende chemisch nachzuhelfen.
Weitere Siegel & Begriffe
KAT
Der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) betreibt ein unabhängiges Kontroll- und Rückverfolgungssystem für Eier aus Boden-, Freiland- und Bio-Haltung. Das KAT-Zeichen steht für lückenlose Herkunftsnachweise „vom Stall bis ins Regal“.
„Ohne Kükentöten“ / Bruderhahn
Diese Angabe bedeutet, dass die männlichen Küken nicht getötet, sondern als „Bruderhähne“ aufgezogen werden, oder dass das Geschlecht schon im Brutei bestimmt wurde. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
Haltungsform-Kennzeichnung
Die vom Handel eingeführte mehrstufige „Haltungsform“-Kennzeichnung findet man vor allem bei Fleisch. Bei Eiern ist die gestempelte Haltungsziffer aussagekräftiger, weil sie gesetzlich definiert und auf jedem einzelnen Ei zu finden ist.
Das Ende des Kükentötens
Weil Legehennenrassen kaum Fleisch ansetzen, wurden männliche Küken lange direkt nach dem Schlüpfen aussortiert und getötet. Seit dem 1. Januar 2022 ist das in Deutschland verboten. Zwei Wege sind seither üblich:
Bruderhahn-Aufzucht: Die männlichen Tiere werden mit aufgezogen. Das kostet Futter und Platz, oft finanziert über einen kleinen Aufschlag auf die Eier der Schwestern.
Geschlechtsbestimmung im Ei: Schon im Brutei wird das Geschlecht erkannt, sodass männliche Eier gar nicht erst ausgebrütet werden.
Wichtige Einschränkung: Das Verbot gilt nur für Brütereien in Deutschland. Legehennen und ihre Brüder schlüpfen teils im Ausland, wo das Kükentöten noch erlaubt ist. Nur die Angabe „ohne Kükentöten“ auf der Packung, oder ein Bio-/KAT-Siegel mit entsprechender Zusage, gibt hier Sicherheit.
Was noch auf der Packung steht
Der Stempel ist nicht die einzige Pflichtangabe. Auf der Verpackung finden sich zusätzlich:
Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD): 28 Tage nach dem Legen. Verkauft werden dürfen Eier bis zum 21. Tag.
Güteklasse A: frische Eier für Verbraucher (Klasse B geht in die Industrie).
Gewichtsklasse: S (unter 53 g), M (53–63 g), L (63–73 g) und XL (ab 73 g), genau die Größen, mit denen auch die Eieruhr rechnet.
Packstellennummer und Angaben zur Kühlung.
Der Erzeugercode ist übrigens nicht das MHD: Das Datum steht nur auf der Verpackung. Zum Kochen und Pellen sind Eier, die rund eine Woche alt sind, sogar ideal.
Worauf Sie beim Kauf achten
✓Erste Ziffer 0 oder 1 bevorzugen: Bio oder Freiland bedeuten Auslauf ins Freie.
✓Bio-Verbandssiegel (Demeter, Bioland, Naturland) für die strengsten Standards.
✓„Ohne Kükentöten“ suchen, wenn Ihnen das wichtig ist.
✓Regional & frisch: kurze Wege, und rund eine Woche alte Eier lassen sich am besten pellen.
✗Bei Verarbeitetem nachfragen: In Fertigprodukten steckt oft Käfig-Ei ohne Kennzeichnung.
Und wenn die Eier gekauft sind, hilft die Eieruhr beim perfekten Frühstücksei: Sie berechnet die Kochzeit exakt nach Größe, Temperatur und Höhenlage, für weiche, wachsweiche oder harte Eier.
Häufige Fragen
Welche Zahl steht auf dem Ei für welche Haltung?
Die erste Ziffer des Erzeugercodes verrät die Haltungsform: 0 steht für ökologische Erzeugung (Bio), 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Käfig- bzw. Kleingruppenhaltung. Danach folgen der Ländercode (z. B. DE) und die Betriebsnummer.
Ist die Farbe des Eierstempels unbedenklich?
Ja. Der Aufdruck erfolgt mit lebensmittelechter, für den Lebensmittelkontakt zugelassener Tinte. Meist ist sie rot oder blau.
Was sagt die letzte Ziffer aus?
In deutschen Codes verweist die letzte Ziffer auf den einzelnen Stall innerhalb des Betriebs. Die vier Ziffern davor sind die Betriebsnummer, die ersten beiden nach DE stehen für das Bundesland.
Was ist der Unterschied zwischen Freilandhaltung und Bio?
Beide bieten den Hennen tagsüber mindestens 4 m² Auslauf pro Tier. Bei Bio kommen strengere Regeln hinzu: höchstens 6 statt 9 Hennen pro m² Stallfläche, kleinere Herden, ökologisches Futter ohne Gentechnik und ein Verbot des routinemäßigen Schnabelkürzens.
Welches Bio-Siegel ist das strengste?
Das EU-Bio-Logo markiert den gesetzlichen Mindeststandard. Die Anbauverbände gehen weiter: Demeter hat mit der geringsten Besatzdichte und den kleinsten Herden die strengsten Vorgaben, gefolgt von Bioland und Naturland.
Was bedeutet „ohne Kükentöten“?
Seit dem 1. Januar 2022 ist das Töten männlicher Eintagsküken in Deutschland verboten. „Ohne Kükentöten“ bedeutet, dass die Brüder der Legehennen aufgezogen werden oder das Geschlecht schon im Brutei bestimmt wird. Das Verbot gilt aber nur für Brütereien in Deutschland. Bei importierten Eiern kann weiter aussortiert werden.
Ist Käfighaltung in Deutschland noch erlaubt?
Die klassische Käfigbatterie ist seit 2010 verboten, EU-weit seit 2012. Die Kleingruppenhaltung in ausgestalteten Käfigen läuft aus; für die letzten Bestandsbetriebe endete die Übergangsfrist Ende 2025. Ihr Anteil beträgt nur noch rund 3 %.
Was fressen Legehennen, und warum ist das Eigelb mal heller, mal dunkler?
Grundlage ist immer ein Getreide-Eiweiß-Futter. Bei Bio (0) muss es zu 100 % ökologisch und gentechnikfrei sein, mit täglichem Raufutter; konventionelle Boden- und Freilandhennen (2 und 1) dürfen auch gentechnisch verändertes Soja und synthetische Zusätze bekommen. Die Dotterfarbe sagt nichts über die Qualität, sie hängt vom Futter ab: im konventionellen Bereich oft über zugesetzte Farbpigmente gesteuert, bei Bio nur über natürliche Bestandteile wie Mais und Grünfutter.
Bekommen Legehennen Antibiotika?
Als Leistungsförderer sind Antibiotika in der EU seit 2006 verboten, eine vorbeugende Gabe ist unzulässig. Erkrankte Tiere dürfen tierärztlich behandelt werden, während der Behandlung und einer Wartezeit werden ihre Eier aber nicht als Lebensmittel verkauft. Bei Bio ist die Zahl der Behandlungen begrenzt und die Wartezeit verdoppelt.